Wer ist dieser geheimnisvolle Blaubart, dessen Schlüsselbund seit Jahrhunderten die Fantasie beflügelt? Ein reicher Edelmann – charmant und bedrohlich zugleich. Und dann ist da eine junge Frau, die sich nicht mit schönen Worten zufriedengibt. Sie will wissen, was hinter den verschlossenen Türen liegt. Die Neugier wird zur Mutprobe – und aus dem Märchen ein Komödien-Thriller.
Grétrys »Blaubart« ist eine echte Wiederentdeckung – und als große Open-Air-Produktion das Highlight des Rheinsberger Festivalsommers! Uraufgeführt 1789 in Paris, steht das Werk mitten im Revolutionsjahr, in dem sich alte Gewissheiten auflösten und neue Ideen ihren Preis hatten. Prinz Heinrich war damals in Paris und bei der Uraufführung anwesend. Kurz darauf verabschiedete er sich aus Frankreich, das wenige Monate später mit dem Sturm auf die Bastille in eine neue Epoche stürzen sollte. In Rheinsberg wiederum waren die Erschütterungen der Revolution spürbar, als Emigrant*innen aus Frankreich Zuflucht fanden – so wurde Grétrys »Blaubart« zum Opernjuwel einer Zeitenwende.
Das Libretto von Michel-Jean Sedaine verschmilzt Perraults berühmtes Märchen mit der Legende von »La Dame de Fayel« – und lässt das Werk trotz düsterer Kulisse als Komödie funkeln. Doch unter der Oberfläche ist der Stoff scharf gezeichnet: Blaubart ist ein grausamer Mensch und bezahlt Misstrauen und Machtmissbrauch am Ende mit dem Leben – eine Wendung, die im Kontext von 1789 kaum missverstanden werden konnte. Und genau hier berührt »Blaubart« das Saisonmotiv »Auf Entdeckungsreise mit Heinrich und Wilhelmine«: Es geht um Neugier als Tugend – und um die Frage, was hinter Fassaden verborgen bleibt. Blaubarts Schlüsselbund wird zum Symbol dafür, welche Türen sich öffnen lassen – und welche besser verschlossen bleiben…
Einführung
Jeweils 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn gibt Prof. Dr. Ulrike Liedtke – Präsidentin des Landtages Brandenburg und Gründungsdirektorin der Musikakademie Rheinsberg – eine Werkeinführung mit Beteiligten der Produktion.